Was lasse ich durch mein Geld wachsen?
Über Geldqualitäten, Kapitalformen und die Frage nach regenerativer Verantwortung
Vom Zukunftsbild zur Kapitalverantwortung
In den letzten Beiträgen auf unserem Blog haben wir immer wieder um eine zentrale Frage gekreist: Welche Zukunft wollen wir eigentlich ermöglichen – und aus welcher Haltung heraus gestalten wir sie?
Im Essay „Lost in Transformation?“ ging es um die fehlende Orientierung in einer Zeit, in der viel über Wandel gesprochen wird, aber selten darüber, wohin dieser Wandel eigentlich führen soll. In „Vision Deutschland 2036“ haben wir versucht, genau diesen Horizont zu öffnen: ein Bild einer regenerativen Zukunft, in der Wohlstand nicht länger nur als finanzielles Wachstum verstanden wird, sondern als Entfaltung von Potenzial – in uns, zwischen uns und um uns herum.
Dabei wurde deutlich: Eine regenerative Marktwirtschaft entsteht nicht allein durch neue politische Programme, neue Technologien oder bessere Nachhaltigkeitsberichte. Sie entsteht dort, wo Menschen, Unternehmen, Kommunen, Stiftungen, Familien und Investor:innen beginnen, ihre Gestaltungskraft neu auszurichten. Nicht nur auf Effizienz, Absicherung oder Schadensbegrenzung, sondern auf die Frage: Was soll durch unser Handeln lebendiger, tragfähiger und zukunftsfähiger werden?
Dieser Beitrag knüpft daran an und richtet den Blick auf eine besonders wirkmächtige Ressource: Vermögen.
Denn wenn Transformation nicht nur gedacht, sondern ermöglicht werden soll, stellt sich unweigerlich die Frage nach Kapital. Nicht nur im Sinne von Finanzierung. Sondern im Sinne von Verantwortung: Was lassen wir durch Geld wachsen? Welche Formen von Zukunft stabilisieren wir durch unsere Anlage-, Konsum-, Investitions- und Schenkungsentscheidungen? Und wie kann Finanzkapital so eingesetzt werden, dass es lebendige Kapitalformen nährt – Natur, Beziehungen, Wissen, Erfahrung, Kultur, Sinn und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit?
Aus dieser Perspektive wird Vermögen nicht nur zu etwas, das erhalten oder vermehrt werden soll. Es wird zu Entwicklungsenergie. Zu einer Möglichkeit, regenerative Zukunft konkret werden zu lassen.
Sebastian Fittko
Von der Vermögensverwaltung zur Vermögensentfaltung
Was ist, wenn es nicht ausreicht, Geld nur zu verwalten?
Diese Frage stand im Zentrum eines Workshops mit vermögenden Privatpersonen über Geld, Vermögen und Verantwortung. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Geld nicht nur gesichert, angelegt oder vermehrt wird – sondern immer auch in der Welt wirksam ist. Es finanziert Strukturen, ermöglicht Entwicklungen, stabilisiert bestehende Logiken oder öffnet Räume für neue Formen von Zukunftsfähigkeit.
Denn Kapital wirkt immer.
Auch dann, wenn wir es vermeintlich nur „liegen lassen“. Auch dann, wenn wir es breit streuen, professionell verwalten oder scheinbar neutral anlegen. Kapital ist nie frei von Wirkung. Es finanziert Geschäftsmodelle, stabilisiert Strukturen, ermöglicht Zukunft – oder verlängert die Vergangenheit. Es nährt bestimmte Formen der Wertschöpfung und entzieht anderen die Grundlage.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur: Was mache ich mit meinem Geld?
Sondern: Was lasse ich durch mein Geld wachsen?
Optionalität ist nie wertfrei
In einer Welt, in der Vermögen häufig als Option verstanden wird, ist diese Frage unbequem. Denn Option klingt nach Freiheit. Nach Beweglichkeit. Nach Sicherheit. Nach dem guten Gefühl, noch nicht entscheiden zu müssen.
Aber Optionalität ist nie wertfrei.
Wer Kapital besitzt, verfügt über Gestaltungsmacht. Diese Gestaltungsmacht kann bewusst eingesetzt werden – oder unbewusst wirken. Sie kann extraktiv sein, wenn sie auf Rendite zielt, ohne auf die Folgen für Natur, Beziehungen, Gemeinschaften und Zukunftsfähigkeit zu achten. Sie kann degenerativ wirken, wenn sie Lebensgrundlagen verbraucht, Kosten externalisiert und Gewinne privatisiert. Sie kann aber auch regenerativ wirken, wenn sie lebendige Systeme stärkt: Böden, Wasser, Biodiversität, Vertrauen, Wissen, Kultur, Erfahrung, Sinn.
Genau hier beginnt für mich der Unterschied zwischen Vermögensverwaltung und Vermögensentfaltung.
Vermögensverwaltung fragt: Wie bleibt Kapital erhalten?
Vermögensentfaltung fragt: Was wird durch Kapital möglich?
Und regeneratives Wirtschaften geht noch einen Schritt weiter. Es fragt: Welche lebendigen Grundlagen werden durch Kapital gestärkt, damit Menschheit und Biosphäre gedeihen können?
Wachstum kommt aus dem Lebendigen
Unsere moderne Wirtschaft hat gelernt, Wachstum primär finanziell zu lesen. Zins, Zinseszins, Rendite, Performance, Bewertung, Vermögenszuwachs. In dieser Logik erscheint Wachstum als rechnerische Vermehrung: Aus Geld soll mehr Geld werden.
Doch regenerativ betrachtet entsteht echtes Wachstum nicht aus Zahlen. Es entsteht aus lebendigen Grundlagen.
Aus fruchtbaren Böden. Aus gesunden Ökosystemen. Aus Vertrauen. Aus Wissen. Aus Erfahrung. Aus Kultur. Aus Beziehungen. Aus Sinn.
Finanzkapital kann wachsen, während genau diese Grundlagen schwächer werden. Dann haben wir zwar finanzielles Wachstum, aber kein regeneratives Wachstum. Wir haben mehr Geld – aber weniger Zukunftsfähigkeit. Mehr Bewertung – aber weniger Vitalität. Mehr Vermögen in der Bilanz – aber weniger Vermögen im eigentlichen Sinn.
Das ist der blinde Fleck einer rein finanzkapitalen Sicht auf Wohlstand.
Eine gedeihende Welt lässt sich nicht durch Finanzkapital allein beschreiben. Geld kann messen, speichern, übertragen und ermöglichen. Aber es zeigt nicht, ob Leben gedeiht. Es zeigt nicht, ob Beziehungen tragen. Es zeigt nicht, ob Böden fruchtbarer, Gemeinschaften resilienter, Unternehmen lernfähiger oder Familien handlungsfähiger werden.
Dafür brauchen wir eine andere Landkarte.
Die 8 Kapitalformen als Landkarte für ganzheitliches Vermögen
Im Workshop haben wir mit acht Kapitalformen gearbeitet. Sie helfen, Vermögen nicht nur als finanziellen Bestand zu verstehen, sondern als lebendiges Wirkungsgefüge.
Finanzielles Kapital umfasst Geld, Anlagen und finanzielle Spielräume. Es ist wichtig, aber nicht Selbstzweck. Es ist ein Ermöglicher.
Materielles Kapital umfasst Gebäude, Infrastruktur, Unternehmen, Technologien und physische Vermögenswerte.
Natürliches Kapital umfasst Böden, Wasser, Biodiversität, Landschaft und ökologische Lebensgrundlagen.
Soziales Kapital umfasst Vertrauen, Beziehungen, Familie, Netzwerke, Kooperation und Zusammenhalt.
Intellektuelles Kapital umfasst Wissen, Bildung, Ideen, Strategien, Systeme und Innovationskraft.
Erfahrungskapital umfasst praktisches Können, unternehmerische Erfahrung, Urteilskraft und Krisenfähigkeit.
Kulturelles Kapital umfasst Werte, Rituale, Geschichten, Identität und den gemeinsamen Umgang mit Verantwortung.
Spirituelles Kapital umfasst Sinn, inneren Kompass, Kernanliegen, Ethik und Orientierung für den Umgang mit Vermögen.
Diese Kapitalformen zeigen: Vermögen ist nicht eindimensional. Eine Familie, ein Unternehmen, eine Stiftung, ein Portfolio oder ein Gemeinwesen kann finanziell stark und zugleich kulturell erschöpft sein. Es kann materiell gut ausgestattet und sozial fragil sein. Es kann über Kapital verfügen, aber kaum noch Orientierung besitzen. Es kann wachsen und dennoch an Vitalität verlieren.
Die Frage ist daher nicht nur: Wie hoch ist mein Vermögen?
Sondern: Welche Kapitalformen sind vital – und welche brauchen Aufmerksamkeit?
Die persönliche Vermögenslandkarte
Ein zentraler Moment des Workshops war die Arbeit mit einer persönlichen Vermögenslandkarte. Die Teilnehmenden wurden eingeladen, die acht Kapitalformen auf sich selbst zu beziehen: auf ihr eigenes Leben, ihren Umgang mit Geld, ihre Verantwortung, ihre Familie, ihr Unternehmen oder ihren Einflussbereich.
Nicht als objektive Bewertung. Nicht als Vermögensanalyse. Nicht als psychologischer Test.
Sondern als persönliche Vitalitätsdiagnose.
Wo entsteht bei mir Vitalität?
Wo fließt Energie ab?
Welche Kapitalform gibt mir Kraft?
Welche ist stabil?
Welche wirkt geschwächt, vernachlässigt oder unterversorgt?
Welche Kapitalform möchte ich bewusster nähren?
Diese Fragen öffnen einen anderen Raum. Sie führen weg von der rein technischen Logik der Vermögensverwaltung und hin zu einer tieferen Wahrnehmung: Was ist mir eigentlich anvertraut? Was trage ich weiter? Was soll durch mein Vermögen lebendiger werden?
Gerade in Familien bekommt diese Frage eine besondere Tiefe. Vermögen ist hier selten nur individuelles Eigentum. Es ist verbunden mit Herkunft, Prägungen, Beziehungen, Erwartungen und Zukunftsbildern. Es trägt Geschichten in sich. Manchmal auch unausgesprochene Spannungen. Oft den Wunsch, etwas zu bewahren. Und zugleich die Ahnung, dass Zukunft nicht allein durch Bewahrung entsteht.
Dann wird die Frage entscheidend:
Welche Zukunft wollen wir als Familie durch Vermögen ermöglichen?
Kaufen, Leihen, Schenken: Geldqualitäten als Handlungsebene
Die GLS Bank bringt mit den Geldqualitäten nach Rolf Kerler eine sehr hilfreiche Unterscheidung ein: Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld.
Diese drei Qualitäten zeigen, dass Geld nicht einfach nur „eingesetzt“ wird. Es wirkt unterschiedlich – je nachdem, wie es fließt.
Kaufgeld würdigt bestehende Wertschöpfung. Es fragt: Was halte ich durch meine Zahlungen am Leben?
Leihgeld ermöglicht Zukunft. Es fragt: Wem oder welcher Idee traue ich zu, etwas Tragfähiges aufzubauen?
Schenkungsgeld schafft freien Boden für Potenzial. Es fragt: Wo darf etwas entstehen, ohne sofort verwertet, verzinst oder zurückgezahlt werden zu müssen?
Diese Unterscheidung ist für regeneratives Wirtschaften enorm wertvoll. Denn sie verbindet Kapital mit Beziehung. Sie macht sichtbar, dass Geld nicht nur Menge ist, sondern Qualität. Nicht nur Betrag, sondern Bewegung. Nicht nur Ressource, sondern Ausdruck von Haltung.
Kaufgeld: Was halte ich am Leben?
Kaufgeld wirkt im Alltag. Oft unspektakulär. Eine Flasche Saft. Ein Kaffee. Ein Reinigungsmittel. Ein Mobilfunkvertrag. Ein Lebensmittel. Eine Dienstleistung.
Und doch entscheidet sich genau dort, welche Wertschöpfung am Leben gehalten wird.
Wenn ich ein Produkt kaufe, nähre ich zunächst das finanzielle Kapital eines Unternehmens. Umsatz, Liquidität, wirtschaftliche Stabilität. Aber damit endet die Wirkung nicht. Dieses finanzielle Kapital kann andere Kapitalformen nähren – oder schwächen.
Ein Unternehmen wie Voelkel zeigt, wie Kaufgeld lebendige Wertschöpfung stärken kann. Die Kaufentscheidung für Bio- und Demeter-Produkte nährt nicht nur ein Unternehmen, sondern auch ökologische Landwirtschaft, langfristige Beziehungen zu Anbaupartnern, Wissen über nachhaltige Verarbeitung, Erfahrung in Lieferketten, eine andere Konsumkultur und eine klare Haltung gegenüber Mensch und Natur.
Kaufgeld ist hier nicht nur Bezahlung.
Es ist Wertschätzung für eine bestimmte Form des Wirtschaftens.
Ähnlich lässt sich auf True-Price-Modelle wie bei Truesday Coffee schauen: Wahre Preise sollen verhindern, dass Degeneration und Extraktion in den Anbauregionen unsichtbar bleiben. Wenn Preise die tatsächlichen sozialen und ökologischen Kosten ernst nehmen, entsteht ein anderer Zusammenhang zwischen Konsum, Verantwortung und Resilienz.
Kaufgeld kann also bestehende regenerative Wertschöpfung stärken.
Oder einfacher gesagt:
Kaufgeld hält am Leben, was wir wertschätzen.
Leihgeld: Wem traue ich Zukunft zu?
Leihgeld hat eine andere Qualität. Es kauft nicht das fertige Produkt. Es ermöglicht etwas, das noch werden muss.
Es ist Vertrauen in Zukunft.
Ein Beispiel ist WeTell, der nachhaltige Mobilfunkanbieter, der über die GLS Crowd Geld aus der Community aufgenommen hat. Hier wird Kapital nicht nur eingesetzt, um ein Unternehmen wachsen zu lassen. Es ermöglicht eine andere Form von digitaler Infrastruktur: fairer, transparenter, datenschutzfreundlicher, gemeinwohlorientierter.
Dadurch werden verschiedene Kapitalformen genährt: finanzielles Kapital durch die Finanzierung, materielles Kapital durch digitale Infrastruktur und Prozesse, soziales Kapital durch Vertrauen und Fairness, kulturelles Kapital durch Verantwortungseigentum, intellektuelles Kapital durch neue Modelle, Erfahrungskapital durch unternehmerisches Lernen und spirituelles Kapital durch eine klare Haltung zu Gemeinwohl und digitaler Selbstbestimmung.
Leihgeld kann auch im Bereich regenerativen Bauens wirksam werden. Ein Beispiel dafür ist die Sustina AG, Mitglied der Initiative Regenerative Marktwirtschaft. Sie zeigt, wie Kapital nicht nur in Gebäude fließt, sondern in Räume für Gemeinschaft und Potenzialentfaltung. Gebäude werden dann nicht allein als Immobilien verstanden, sondern als materielle Grundlage für Beziehung, Kultur, Lernen, Zusammenleben und Zukunftsfähigkeit.
Leihgeld fragt deshalb:
Wem oder welcher Idee traue ich zu, regenerative Zukunftsstrukturen aufzubauen?
Schenkungsgeld: Wo darf Potenzial frei entstehen?
Schenkungsgeld ist vielleicht die anspruchsvollste Geldqualität.
Denn beim Schenken bekommen wir kein Produkt zurück. Keine Rückzahlung. Keine direkte Gegenleistung. Wir geben etwas frei.
Gerade deshalb ist Schenkungsgeld für regenerative Wirtschaft so wichtig. Denn manche Potenziale entstehen nicht unter unmittelbarem Rendite-, Verwertungs- oder Ergebnisdruck. Sie brauchen freien Raum. Zeit. Beziehung. Vertrauen. Schutz.
Ein gutes Beispiel sind Peer-Learning-Programme in der Bildung. Junge Menschen lernen mit- und voneinander. Ältere oder erfahrenere Kinder begleiten jüngere. Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung und werden zu Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern.
Schenkungsgeld ermöglicht hier kein fertiges Ergebnis. Es kauft nicht: ein Kind bekommt genau diese messbare Fähigkeit. Es schafft einen Raum, in dem etwas entstehen kann.
Vielleicht entsteht Vertrauen. Vielleicht weniger Angst vor Übergängen. Vielleicht Stolz, weil ein Kind Verantwortung übernimmt. Vielleicht eine Beziehung, die Sicherheit gibt. Vielleicht Selbstwirksamkeit. Vielleicht eine neue Lernkultur.
Gerade hier zeigt sich, wie stark die unsichtbaren Kapitalformen wirken: soziales Kapital durch Beziehung und Zugehörigkeit, intellektuelles Kapital durch Lernen und Sprache, Erfahrungskapital durch gelebte Verantwortung, kulturelles Kapital durch eine andere Lernkultur und spirituelles Kapital durch die Erfahrung: Ich kann etwas beitragen. Ich bin wichtig. Ich kann wachsen und andere beim Wachsen unterstützen.
Schenkungsgeld kompostiert Finanzkapital zu fruchtbarem Boden für Vertrauen, Kultur, Sinn und neues Potenzial.
Vom Erhalt des Vermögens zur Kapitalverantwortung
Regeneratives Wirtschaften beginnt nicht mit der perfekten Strategie. Es beginnt mit einer anderen Frage.
Nicht nur: Wie wächst mein Vermögen?
Sondern: Woraus wächst es?
Nicht nur: Wie sichere ich Kapital?
Sondern: Welche Kapitalformen nähre ich?
Nicht nur: Welche Wirkung hat mein Geld?
Sondern: In welcher Qualität soll es wirken?
Diese Fragen sind nicht nur für Unternehmerfamilien, Stiftungen oder Family Offices relevant. Sie betreffen jede Person, die über Geld, Eigentum, Einfluss oder Verantwortung verfügt.
Denn Vermögen wird lebendig, wenn es Leben ermöglicht.
Das heißt nicht, dass finanzieller Erhalt unwichtig wäre. Im Gegenteil. Ohne finanzielle Stabilität fehlt oft Handlungsspielraum. Aber Finanzkapital wird erst dann regenerativ, wenn es nicht nur sich selbst erhält oder vermehrt, sondern in lebendige Kapitalformen übersetzt wird.
In natürliche Kapitalformen: Böden, Wasser, Biodiversität.
In soziale Kapitalformen: Vertrauen, Beziehungen, Gemeinschaft.
In intellektuelle Kapitalformen: Wissen, Bildung, Innovation.
In Erfahrungskapital: Können, Urteilskraft, Resilienz.
In kulturelles Kapital: Werte, Narrative, Identität.
In spirituelles Kapital: Sinn, Haltung, Orientierung.
Dann wird aus Vermögensverwaltung Vermögensentfaltung.
Die entscheidende Frage
Am Ende des Workshops stand keine fertige Antwort. Das war wichtig. Denn regenerative Verantwortung entsteht nicht durch ein neues Schema, das man einfach auf sein Vermögen legt. Sie entsteht durch Wahrnehmung, Beziehung und Entscheidung.
Was nehme ich wahr?
Was ist mir anvertraut?
Was braucht Aufmerksamkeit?
Welche Kapitalform will ich bewusster nähren?
Welche Geldqualität kann dabei helfen?
Kaufgeld würdigt lebendige Wertschöpfung.
Leihgeld ermöglicht regenerative Zukunftsstrukturen.
Schenkungsgeld schafft freien Boden für Potenzial.
Die entscheidende Frage lautet also nicht nur:
Was mache ich mit meinem Geld?
Sondern:
Welche Kapitalformen lasse ich durch mein Geld wachsen – und in welcher Qualität soll mein Geld wirken?
Über den Autor
Sebastian Fittko ist Initiator und Erster Vorsitzender der Initiative Regenerative Marktwirtschaft e.V. (IRM), Gründer von regeneration.PARTNERS sowie Zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes Impact Investing e.V. (BVII).
Mit regeneration.PARTNERS begleitet er Unternehmerfamilien, Vermögensinhaber:innen, Family Offices und Stiftungen an der Schnittstelle von Vermögen, Verantwortung und regenerativer Ökonomie. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie Finanzkapital nicht nur erhalten oder vermehrt, sondern bewusst in lebendige Kapitalformen übersetzt werden kann – in Naturkapital, soziales Kapital, Wissen, Erfahrung, Kultur, Sinn und Zukunftsfähigkeit.
Dafür verbindet er strategische Vermögensentwicklung, Impact Investing, Venture Philanthropy und regenerative Unternehmensentwicklung zu einem ganzheitlichen Ansatz von Kapitalverantwortung. Sein Fokus liegt darauf, Vermögen über klassische Risiko-Rendite-Logiken hinaus als Entwicklungsenergie zu verstehen: als Möglichkeit, Familien, Unternehmen und gesellschaftliche Transformationsräume resilienter, lebendiger und wirksamer zu gestalten.
Sebastian hält einen M.A. in Economics der Zeppelin Universität Friedrichshafen und ist Gastdozent für Nachhaltigkeit und Transformation an der ESCP Business School in Berlin.
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