Wir bauen Zukunft
Über Häuser, Resonanz und die soziale Architektur einer regenerativen Wirtschaft
Dieser Essay ist aus dem ersten Regenerativen Salon der IRM in Düsseldorf entstanden, den wir gemeinsam mit unseren lokalen Gastgeber:innen Andrea Scholz von der Sustina AG und Sven Urselmann von Urselmann Interior im Bauwendehof gestaltet haben. Rund dreißig Menschen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Bildung und Forschung kamen zusammen, um regeneratives Wirtschaften mit konkreten Orten, Materialien, unternehmerischen Erfahrungen und den eigenen Handlungsmöglichkeiten in Düsseldorf zu verbinden.
Unsere Regenerativen Salons verstehen wir dabei bewusst als Auftakt für mehr. Sie öffnen einen ersten Resonanzraum, aus dem lokale Beziehungen, gemeinsame Vorhaben und perspektivisch ein IRM-Chapter entstehen können. So bauen wir Schritt für Schritt an der sozialen Architektur einer Regenerativen Wirtschaft: nicht nach einem fertigen Masterplan, sondern orientiert an einem gemeinsamen Kompass.
Diesen Aufbau möchten wir in Düsseldorf nun fortsetzen. Dafür suchen wir unternehmerische Gestalter:innen und Macher:innen, die ihre Erfahrungen, Fähigkeiten, Orte oder Netzwerke einbringen und den entstehenden IRM-Kreis mit aufbauen möchten. Bei Interesse an einem Austausch oder an einer Beteiligung freuen wir uns über eine direkte Nachricht an uns.
Der folgende Essay nimmt das Bauen deshalb nicht nur wörtlich. Er fragt danach, wie Häuser, Innenräume und soziale Gemeinschaften Bedingungen schaffen können, in denen Menschen sich entwickeln, Potenziale entfalten und gemeinsam die Zukunft gestalten.
Von Sebastian Fittko, Andrea Scholz und Sven Urselmann
Über Häuser, Resonanz und die soziale Architektur einer Regenerativen Wirtschaft
Wir bauen nicht nur Häuser. Wir bauen Beziehungen, Unternehmen, Institutionen, Märkte und Gemeinschaften. Und während wir all dies tun, bauen wir auch immer an uns selbst. Wir entwickeln Fähigkeiten, Haltungen und Vorstellungen davon, wer wir sein können und welche Wirkung wir in der Welt entfalten möchten. Diese Entwicklung geschieht jedoch nie aus uns allein heraus. Wir werden an anderen Menschen, an Widerständen, an Orten und an der lebendigen Mitwelt, deren Teil wir sind, geformt. Erst in dieser Beziehung erfahren wir, was wir vermögen.
Ein Mensch kann uns etwas zutrauen, das wir selbst bisher nicht in uns erkennen. Eine Gemeinschaft kann uns Halt geben und zugleich dazu ermutigen, etwas zu wagen. Ein Ort kann uns öffnen, beruhigen, anregen oder einengen. Die Mitwelt kann uns erfahren lassen, dass wir nicht außerhalb des Lebens stehen, sondern in unzählige Beziehungen eingebunden sind. Entwicklung und Entfaltung sind deshalb keine rein individuellen Prozesse. Sie entstehen in Resonanz mit unserer Mitwelt.
Hartmut Rosa beschreibt Resonanz als eine Form der Weltbeziehung, in der wir uns berühren und verwandeln lassen, ohne über das Ergebnis verfügen zu können. Resonanz kann nicht wie ein Produkt hergestellt werden. Wir können sie nicht bestellen, messen und zuverlässig reproduzieren. Aber wir können Bedingungen schaffen, unter denen sie wahrscheinlicher wird.
Genau das ist auch die Aufgabe des Bauens.
Warum bauen wir also Häuser, Innenräume, Unternehmen und soziale Gemeinschaften nicht mit derselben Sorgfalt, mit der wir über unsere eigene Entwicklung nachdenken? Warum behandeln wir Räume häufig als neutrale Behälter, Unternehmen als Maschinen und Gemeinschaften als organisatorische Einheiten, obwohl sie die Bedingungen dafür prägen, wie wir einander begegnen, zusammenarbeiten und die Zukunft gestalten können?
Räume bauen an uns
Ein Gebäude besteht nicht nur aus Fundament, Tragwerk, Fassade und Haustechnik. Ein Innenraum ist mehr als Boden, Wände, Decke und Möblierung. Jeder Raum legt Möglichkeiten nahe. Er beeinflusst, ob wir uns willkommen oder ausgeschlossen fühlen, ob Begegnung entsteht oder Vereinzelung, ob Menschen lediglich eine vorgesehene Funktion erfüllen oder einen Ort mitgestalten können.
Ein Raum kann Kontrolle materialisieren. Lange Flure, geschlossene Türen und fest zugewiesene Plätze erzählen eine andere Geschichte als offene Übergänge, gemeinsam nutzbare Flächen und Orte, an denen ungeplante Begegnungen möglich sind. Architektur bestimmt unser Verhalten nicht vollständig. Aber sie strukturiert das Feld, in dem Verhalten, Beziehung und Entwicklung stattfinden.
Gebäude und Innenräume sind deshalb immer auch soziale Architektur.
Diese soziale Dimension beginnt nicht erst mit der späteren Nutzung. Sie steckt bereits in der Art, wie ein Gebäude geplant, finanziert und errichtet wird. Wer darf mitentscheiden? Welche Bedürfnisse werden wahrgenommen? Welche Materialien gelten als wertvoll? Welche Kosten werden im Budget sichtbar, und welche werden auf Menschen, Ökosysteme oder kommende Generationen verlagert? Wird ein Grundstück als maximal zu verwertende Fläche betrachtet oder als lebendiger Ort mit unterschiedlichen Potenzialen?
Die scheinbar technische Frage des Bauens führt damit unmittelbar in das Zentrum einer Regenerativen Wirtschaft. Es geht nicht nur darum, weniger Energie zu verbrauchen oder Materialien effizienter einzusetzen. Es geht darum, welche Beziehungen wir durch unser Wirtschaften hervorbringen und welche Form des Lebens wir mit unseren Entscheidungen ermöglichen.
Die äußere und die innere Bauwende
Die Bauwende wird häufig vor allem als technologische und stoffliche Aufgabe verstanden. Wir sprechen über graue Energie, Kreislauffähigkeit, Wiederverwendung, Emissionen und Flächenverbrauch. All das ist notwendig. Doch eine regenerative Bauwende bleibt unvollständig, wenn sie sich nur auf das äußere Erscheinungsbild unserer Gebäude richtet.
Andrea Scholz hat ihren Weg zum regenerativen Wirtschaften aus einer Erfahrung heraus beschrieben, die für viele Transformationsprozesse charakteristisch ist. Am Anfang steht häufig der Versuch, das bestehende System zu optimieren: weniger Müll, geringere Emissionen, ein überzeugender Business Case. Die Hoffnung lautet, dass die richtige Rechnung und das bessere Argument ausreichen müssten, damit Veränderung geschieht. Doch irgendwann zeigt sich, dass tiefgreifender Wandel nicht nur eine Frage besserer Produkte, Prozesse und Kennzahlen ist. Er betrifft auch unser Selbstverständnis, unsere Formen der Zusammenarbeit und die Kultur unserer Organisationen.
Die von Andrea aufgegriffene Verbindung von Being, Culture und Design macht diesen Zusammenhang sichtbar. Regeneration betrifft unser inneres Sein, die Qualität unseres Miteinanders und das, was wir als Produkte, Dienstleistungen und gebaute Umwelt in die Welt bringen. Diese drei Ebenen lassen sich nicht dauerhaft voneinander trennen.
Wir werden keine lebensdienlichen Gebäude in einer Wirtschaftsweise hervorbringen, die Menschen dauerhaft erschöpft, Beziehungen instrumentalisiert und Erfolg ausschließlich an kurzfristiger Rendite misst. Gleichzeitig reicht eine achtsame Unternehmenskultur nicht aus, wenn die Produkte eines Unternehmens weiterhin Böden zerstören, Ressourcen verschwenden oder ungesunde Lebensräume schaffen.
Regeneration beginnt im Inneren, aber sie darf dort nicht enden. Sie muss sich materialisieren.
Stroh statt Gips
Im Innenausbau wird sichtbar, wie konkret dieser Perspektivwechsel werden kann. Sven Urselmann zeigte beim Regenerativen Salon am Bauwendehof, dass Gewerbeimmobilien mit einem Materialmix gestaltet werden können, der Kohlenstoff speichert, gesündere Innenräume ermöglicht und zugleich wirtschaftlich mit den heute üblichen Lösungen konkurrieren kann.
Stroh statt Gips.
Dieser Satz ist nicht deshalb so stark, weil Stroh allein die Bauwende lösen würde. Er ist stark, weil er eine andere Frage aufwirft. Nicht mehr nur: Welches Material erfüllt die technische Funktion zum niedrigsten Preis? Sondern: Woher kommt dieses Material, welche Stoffströme und Produktionsweisen stehen hinter ihm, was bewirkt es während seiner Nutzung und was geschieht mit ihm, wenn der Raum erneut umgebaut wird?
Was wir bisher als Kosten betrachten, bildet nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit ab. Ein günstiges Material kann teuer werden, wenn seine Herstellung Lebensgrundlagen zerstört, seine Verarbeitung Menschen belastet und seine Entsorgung dauerhaft Kosten verursacht. Ein zunächst ungewohntes Material kann dagegen Vermögen aufbauen, wenn es regionale Wertschöpfung stärkt, Kohlenstoff bindet, gesunde Räume schafft und in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden kann.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, was ein Baustoff kostet. Sie lautet: „Welche Zukunft wir mit ihm bauen.“
Planbarkeit und Lebendigkeit
Ein Haus braucht einen Plan. Seine Statik muss berechnet, die Anschlüsse geklärt und die Gewerke koordiniert werden. Ohne Planung entsteht kein verlässliches Gebäude. Doch selbst das präziseste Haus bleibt unvollständig, solange es nicht bewohnt wird.
Wir können Räume planen, aber nicht vollständig vorbestimmen, welches Leben in ihnen stattfinden wird. Wir wissen nicht, welche Gespräche an einem Tisch geführt, welche Konflikte in einem Raum ausgetragen und welche Ideen in einer Werkstatt entstehen werden. Wir können auch nicht planen, welche Fähigkeiten Menschen entwickeln oder welche Zukunft aus ihren Beziehungen hervorgeht.
Das Leben eines Hauses entzieht sich dem Vollzug.
Darin ähnelt das Bauen der gesellschaftlichen Transformation. Auch hier benötigen wir Vorstellungen von einer wünschenswerten Zukunft. Wir müssen benennen können, in welche Richtung wir uns bewegen möchten. Ohne ein gemeinsames Bild bleiben Entscheidungen fragmentiert und kurzfristig. Doch ein Zukunftsbild ist kein detaillierter Bauplan, den wir nur noch abarbeiten müssten.
Es ist ein Kompass, kein Masterplan.
Der Masterplan suggeriert, dass die Zukunft bereits bekannt sei und lediglich durch eine Folge vorbestimmter Maßnahmen geschaffen werden müsse. Der Kompass dagegen gibt Orientierung, ohne die Landschaft vorwegzunehmen. Er verlangt Wahrnehmung, Urteilskraft und die Fähigkeit, auf neue Situationen zu reagieren.
Eine Regenerative Wirtschaft kann deshalb nicht durch Vollzug entstehen. Sie braucht Handelnde.
Handeln öffnet Zukunft
Wo Vollzug dominiert, wird die Zukunft geschlossen. Menschen setzen Vorgaben um, halten Prozesse ein und vermeiden Abweichungen. Verantwortung wandert in Strukturen, Risiken werden delegiert und Entscheidungen durch Standards ersetzt. Das kann kurzfristig Sicherheit und Effizienz schaffen. Langfristig verarmen jedoch Organisationen, weil sie die Fähigkeit verlieren, auf Neues zu reagieren.
Handeln beginnt dort, wo der Ausgang nicht vollständig feststeht. Es braucht Mut, Urteilskraft und Beziehung. Hannah Arendt unterscheidet in diesem Sinne zwischen dem Handeln und dem bloßen Herstellen. Beim Herstellen steht das Ergebnis vorab fest: Ein Plan wird in ein Werk übersetzt. Handeln dagegen setzt etwas in Gang, dessen weitere Entwicklung nicht vollständig kontrolliert werden kann. Gerade darin liegt seine politische und menschliche Bedeutung.
Auch regeneratives Bauen braucht diese Offenheit. Ein guter Plan bleibt wichtig, aber er darf nicht blind machen für das, was während des Prozesses sichtbar wird. Ein bestehendes Gebäude kann unerwartete Qualitäten zeigen. Ein wiedergewonnenes Bauteil kann zu einer anderen Lösung führen. Eine Gemeinschaft kann einen Ort anders nutzen, als es ursprünglich vorgesehen war.
Regeneratives Bauen verzichtet daher nicht auf Planung. Es stellt Planung in den Dienst des Lebendigen.
Vom Grundstück zur Vermögensentfaltung
In der klassischen Immobilienlogik wird ein Grundstück häufig danach bewertet, wie viel Fläche, Ertrag oder Wertsteigerung daraus hervorgebracht werden kann. Der Ort wird zur Anlageklasse und sein Potenzial wird auf die finanzielle Verwertung reduziert.
Doch ein Grundstück vermag mehr.
Es kann Lebensraum schaffen, Biodiversität stärken, Begegnungen ermöglichen, lokale Wertschöpfung fördern und Menschen einen Ort geben, an dem sie lernen, arbeiten oder unternehmerisch tätig werden können. Es kann kulturelle Bedeutung gewinnen, Beziehungen tragen und kommenden Generationen Möglichkeiten eröffnen.
Vermögen entsteht nicht nur, wenn ein Preis steigt. Vermögen entsteht, wenn ein Ort mehr vermag.
Das ist der Unterschied zwischen Vermögensverwaltung und Vermögensentfaltung. Finanzielles Kapital bleibt relevant, wird aber nicht länger als die einzige Form von Vermögen behandelt. Es verbindet sich mit natürlichem, sozialem, kulturellem, intellektuellem und erfahrungsbezogenem Kapital. Ein Gebäude kann dann zugleich wirtschaftlichen Wert schaffen, natürliche Kreisläufe stärken, Fähigkeiten hervorbringen und Gemeinschaft ermöglichen.
Auch Wachstum erhält dadurch eine andere Bedeutung. Wachstum ist nicht mehr nur mehr Fläche, mehr Transaktion oder mehr Rendite. Es kann mehr Lebendigkeit, mehr Resilienz, mehr Beziehungsfähigkeit und mehr Handlungsvermögen bedeuten.
Wir nennen das Re:Growth.
Myzel und soziale Architektur
Das Myzel bietet dafür ein eindrückliches Bild. Beim Regenerativen Salon wurde diese Perspektive durch den Pilzmyzel-Workshop mit Lina Hülsmann unmittelbar erfahrbar. Aus einem lebendigen Material entstanden kleine Prototypen – nicht durch die vollständige Kontrolle eines fertigen Ergebnisses, sondern durch das Zusammenspiel von Material, Form, Zeit und geeigneten Bedingungen. Das Myzel wächst nicht nach einem zentralen Masterplan. Es bildet Beziehungen, reagiert auf seine Umgebung und verbindet einzelne Organismen zu einem lebendigen Netzwerk. Seine Stärke liegt nicht in der Vereinheitlichung, sondern in der Fähigkeit, Unterschiedliches miteinander in Austausch zu bringen.
Diese Logik lässt sich nicht einfach auf menschliche Gemeinschaften übertragen. Doch der Workshop machte anschaulich, was unserer Vorstellung von Organisation häufig fehlt: Lebendige Systeme entstehen nicht allein durch Steuerung. Sie entwickeln sich durch Beziehungen, Rückkopplungen und die Fähigkeit, auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Wie beim Myzel lässt sich das Wachstum nicht vollständig erzwingen. Entscheidend ist vielmehr, Bedingungen zu schaffen, unter denen Entwicklung möglich wird.
Die soziale Architektur einer Regenerativen Wirtschaft kann deshalb nicht darin bestehen, Gemeinschaften technisch zu konstruieren. Vertrauen, Resonanz und Zugehörigkeit können nicht verordnet werden. Aber wir können Räume schaffen, in denen Menschen einander begegnen, Erfahrungen teilen und gemeinsame Anliegen entdecken. Wir können unterschiedliche Perspektiven miteinander in Beziehung bringen, Verantwortung verteilen und Menschen ermutigen, ihren eigenen Handlungsspielraum wahrzunehmen.
Genau darin liegt die Aufgabe der Regenerativen Salons, Resonanzräume und lokalen Gemeinschaften der IRM. Sie sind keine Formate zur Vermittlung einer fertigen Lehre. Sie öffnen Räume, in denen aus Begegnung Resonanz, aus Resonanz Beziehung und aus Beziehung gemeinsames Handeln entstehen können.
Es geht nicht darum, dass alle dasselbe denken oder tun. Eine regenerative Gesellschaft benötigt Vielfalt. Aber Vielfalt allein schafft noch keine gemeinsame Richtung. Sie benötigt eine Form pluraler Kohärenz: unterschiedliche Menschen, Perspektiven und Initiativen, die durch eine lebensdienliche Orientierung miteinander verbunden sind.
Das Zeitalter des unternehmerischen Menschen
Eine Regenerative Wirtschaft braucht deshalb nicht nur Unternehmer:innen im formalen Sinn. Sie benötigt unternehmerische Menschen. Menschen, die die Zukunft nicht als etwas betrachten, das ihnen lediglich widerfährt. Menschen, die Möglichkeiten wahrnehmen, Beziehungen stiften und Verantwortung für das übernehmen, was durch ihr Handeln in die Welt hineinbringt.
Unternehmerisch zu handeln bedeutet in diesem Sinn nicht, alles dem Markt zu unterwerfen. Es bedeutet, etwas zu unternehmen: einen Raum zu öffnen, ein Material anders einzusetzen, einen Ort neu zu denken, eine Gemeinschaft zu ermöglichen oder eine Organisation so zu verändern, dass Menschen in ihr wieder handlungsfähig werden.
Wir bauen eine neue Epoche nicht, indem wir einen fertigen Entwurf vollziehen. Wir bauen sie, indem wir unsere Beziehungen untereinander und zur Mitwelt neu gestalten und aus dieser veränderten Beziehung heraus andere Häuser, Unternehmen, Institutionen und Märkte entstehen lassen.
Wir können nicht vollständig wissen, welche Zukunft daraus hervorgeht. Aber wir können uns eine wünschenswerte Zukunft vorstellen, sie formulieren und miteinander teilen. Wir können sie als Kompass nutzen und heute damit beginnen, die Bedingungen zu schaffen, unter denen sie möglich wird.
Denn wir bauen ohnehin. Mit jeder Investition, jeder Organisation, jedem Material und jeder Beziehung bauen wir an der Welt.
Die entscheidende Frage ist, ob wir Strukturen errichten, in denen Menschen lediglich funktionieren – oder Räume, in denen sie sich entwickeln, entfalten und gemeinsam wirksam werden können.
Über die Autoren
Andrea Scholz verantwortet Strategie und Circular Business Development bei der Sustina AG. Das Unternehmen entwickelt und plant Wohnquartiere, in denen ökologische Integrität, soziale Durchmischung und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammenkommen. Als regenerative Gestalterin arbeitet Andrea an der Strategieentwicklung, ihrer Übersetzung in OKRs und deren finanzieller Ausgestaltung. Dabei prüft sie auch die Voraussetzungen und Spannungsfelder einer Vision: Was trägt sich wirtschaftlich, was noch nicht – und welche Bedingungen müssen sich verändern, damit neue Lösungen möglich werden?
Ihr Fokus liegt darauf, Regeneration und Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen. Nicht als Kompromiss, sondern als Bedingung füreinander. Neben der Weiterentwicklung dieser Frage bei der Sustina AG arbeitet Andrea im Düsseldorfer Förderprojekt second bau. In einem Bauteillager als Reallabor wird der ReUse von Bauteilen erprobt, mit dem Ziel, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das auch nach dem Ende der Förderung trägt.
Andrea ist Betriebswirtin mit Schwerpunkt Finanzen. Ihr Weg führte vom Controlling bei Vodafone über viele Jahre Klima-Intrapreneurship bis zur Verantwortung für die Circular Economy im Endkundengeschäft. Ihre frühe Inspiration war dabei die Denkschule Cradle to Cradle. Später kamen eine Regenerative Leadership Journey mit Laura Storm und ein Sabbatical in der regenerativen Landwirtschaft dazu. Ihre Überzeugung: Tiefgreifender Wandel braucht beides, veränderte Produkte und Strukturen im Außen und eine positive und achtsame Haltung im Innen, bei uns selbst und in unserem Miteinander.
Seine Antwort heißt New Interior: kein Konzept, sondern ein neues System aus zirkulärer Planung, modularer Vorfertigung, ReUse-First und Hersteller-Rücknahme, mit dem der „Designfehler Müll” schon im Entwurf vermieden wird. Als Mitgründer des Bauwendehofs in Düsseldorf-Flingern hat er zudem einen Ort geschaffen, an dem Handwerk, Planung und Materiallager konsequent zirkulär zusammenkommen: ein praktisches Reallabor für die Bauwende.
Beim Regenerativen Salon am Bauwendehof brachte Sven seine Haltung auf eine einfache Formel: Stroh statt Gips. Sein Ziel ist es, so viel Biomasse wie möglich als hochwertige Bauprodukte in Gebäuden einzulagern und diese nach mehrfacher Nutzung im Sinne einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft der Pyrolyse zuzuführen, um aus dem Innenausbau eine relevante CO₂-Senke zu machen. Regeneration bleibt für ihn kein Anspruch, den man formuliert, sondern etwas, das sich materialisieren muss, im Handwerk, im Material und in jedem einzelnen Raum. Sein Leitsatz dabei: Nicht reden, sondern machen.
Sebastian Fittko ist Initiator, Gründer und Erster Vorsitzender der Initiative Regenerative Marktwirtschaft e.V. (IRM), Gründer von regeneration.PARTNERS sowie Zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes Impact Investing e.V. (BVII). Mit regeneration.PARTNERS begleitet er Unternehmerfamilien, Familienunternehmen und Vermögensinhaber an der Schnittstelle von regenerativer Ökonomie, Impact Investing, Family Governance und strategischer Vermögensentwicklung. Ein besonderer Fokus seiner Arbeit liegt auf der Weiterentwicklung klassischer Family-Office-Logiken hin zu einem Regenerativen Family Office: weg von reiner Vermögensverwaltung, hin zu Vermögensentfaltung.
Im Zentrum steht dabei die Frage, was Kapital – finanziell, natürlich, sozial, kulturell, intellektuell und unternehmerisch – wachsen lässt. Sebastian arbeitet mit Familien und Vermögensinhabern daran, Kapital nicht nur entlang von Risiko und Rendite zu steuern, sondern als Gestaltungsmedium für Zukunftsfähigkeit, Resilienz und lebendige Entwicklung zu verstehen. Seine Arbeit verbindet generationenübergreifenden Vermögenserhalt, unternehmerische Transformation, regenerative Asset Allocation und die Frage, wie Vermögen wieder in Beziehung zu Familie, Unternehmen, Mitwelt und gesellschaftlicher Verantwortung treten kann.
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Die Transformation hin zu einer regenerativen Wirtschaft braucht mutige Ideen, engagierte Menschen – und eine Gemeinschaft, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.
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Regenerative Marktwirtschaft entsteht nicht abstrakt. Sie wächst dort, wo Menschen Räume öffnen, Beziehungen knüpfen und ins Handeln kommen.
Ihr habt Interesse und wollt über die Möglichkeiten sprechen, dann schreibt Sebastian.











