Re:Growth im Fundament: Warum die regenerative Bauwende den Return on Investment neu definiert
Wie im Projekt Deilegrund die Zukunft des Wirtschaftens entsteht
Ein Essay von Sebastian Fittko und Fabian Bergfort
Ein Einblick in den 1. Regenerativen Online-Resonanzraum (ROR) der IRM und ein Weitblick in die Zukunft des regenerativen Wirtschaftens
Wenn wir bei der Initiative Regenerative Marktwirtschaft (IRM) über die Transformation unseres Wirtschaftssystems sprechen, belassen wir es nicht bei theoretischen Modellen über planetare Belastungsgrenzen. Wir arbeiten aktiv und partizipativ am Leitbild einer Regenerativen Wirtschaft und an anschlussfähigen Narrativen. Unser Ziel ist es, unternehmerischen Menschen eine Heimat zu geben, in der wir Wirtschaft gemeinsam neu denken und gestalten. Statt uns in Abwärtsspiralen aus degenerativem Wachstum, pauschalem Verzicht (De:Growth), bloßer Status-quo-Verwaltung oder Zukunftsangst zu verlieren, setzen wir auf echte Potenzialentfaltung. Wir wollen Lust auf Zukunftsgestaltung wecken und ein regeneratives Wachstum (Re:Growth) anstoßen, das immer ein klares Ziel verfolgt: unser eigenes Potenzial, das unserer Gesellschaft und das des gesamten Lebens auf diesem Planeten zur Entfaltung zu bringen.
Unsere Arbeit wurzelt durch unser starkes Netzwerk längst tief in der realen Wirtschaft. Hier gehen Theorie und Praxis Hand in Hand. Um diesen Austausch zwischen Vordenken und mutigem Machen erlebbar zu machen, starten wir die Serie des Regenerativen Online Resonanzraums (ROR). Jeden Monat werden wir nun in einer Veranstaltung und einer begleitenden Veröffentlichung konkrete Praxisbeispiele auf die Bühne bringen. Den Auftakt machte unser 1. ROR mit Fabian Bergfort, Gründer und CEO der Sustina AG. Mit dem Quartiersentwicklungsprojekt „Deilegrund“ in Essen-Kupferdreh hat er uns gezeigt, wie die Prinzipien einer regenerativen Wirtschaft in ein gebautes Miteinander übersetzt werden können.
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Architektur, die soziale Netzwerke knüpft
Ein regeneratives Quartier zu entwickeln, beginnt mit einem Perspektivwechsel: Ein Grundstück wird nicht primär als Fläche zur Renditemaximierung betrachtet, sondern als Raum für echte Potenzialentfaltung. Auf einer Konversionsfläche im Deilbachtal entwickelt die Sustina AG mit einem Investitionsvolumen von rund 56 Millionen Euro ein Quartier mit 123 Wohneinheiten und zwei Wohngemeinschaften.
Die eigentliche Innovation dieses Projekts liegt jedoch in der feinstofflichen Struktur. Architektur wird von der Sustina AG als Werkzeug verstanden, um soziale Resonanzräume zu schaffen. Durch die enge Kooperation mit der AWO und dem Integrationsmodell e.V. entsteht eine bewusste Vielfalt, die von kompakten Zwei-Zimmer-Wohnungen bis hin zu Fünf-Zimmer-Wohnungen für Familien reicht. Ein zentrales Quartierscafé, flexibel nutzbare Gästeapartments, Gemeinschaftsräume und eine Reparaturwerkstatt sind in diesem Konzept keine architektonischen Nebensächlichkeiten. Sie sind die Herzkammern des Projekts. Es sind jene Orte, an denen aus bloßer Nachbarschaft eine tragfähige, unterstützende Gemeinschaft wachsen kann.
Das Handwerk des Möglichen: Return on Investment neu definiert
Wer heute unternehmerisch mutig vorangeht, trifft unweigerlich auf die Widerstände des Status quo – auf hohe Zinsen, explodierende Materialkosten und den Druck der konventionellen Bauwirtschaft. Regeneratives Unternehmertum bedeutet hier nicht, sich in dogmatischer Perfektion zu verlieren, sondern mit intelligenter Planung das Mögliche neu zu definieren.
Fabian Berfort schilderte in seinem Vortrag sehr ehrlich die notwendigen Abwägungen in der Praxis. So waren beispielsweise Holz-Alu-Fenster wesentlich teurer als kreislauffähige Kunststofffenster – hier musste eine pragmatische Entscheidung getroffen werden, um die Finanzierbarkeit des Projekts nicht zu gefährden.
Gleichzeitig bewies das Team Mut an entscheidender Stelle: Die Wahl fiel auf ein Holzständerwerk. Diese Entscheidung traf zunächst auf Skepsis – konnte diese Bauweise auf der Kostenseite überhaupt mit herkömmlichem Mauerwerk und grauem Stahlbeton konkurrieren? Die Sustina AG bewies: Es geht. Der Schlüssel lag in konsequenter Standardisierung, Vorfertigung und smarten architektonischen Lösungen. Diese waren nicht nur kostengünstig, sondern prägten auch die architektonische Wirkung maßgeblich – etwa durch weiche, runde Gebäudeecken und frei schwebende statt angeständerter Balkone. All das trägt enorm zur positiven Wahrnehmung und Resonanz des Gebäudes bei.
Hier zeigt sich, was regeneratives Wirtschaften im Kern bedeutet: Wir müssen den „Return on Investment“ (ROI) weitreichender fassen. Die finanzielle Rendite ist wichtig, aber sie ist eben nur eine tragende Säule. Gleichwertig daneben steht die soziale und kulturelle Potenzialentfaltung in einem ökologisch gesunden Bauwerk. Ein Gebäude, dessen Materialien zum großen Teil als Rohstoff im Kreislauf bleiben und das aktiv Kohlenstoff bindet, statt die Umwelt zu belasten. Das ist Haltung, die sich rechnet – für Investoren, für die Gesellschaft und für die Natur.
Einladung zur Mitgestaltung: Verwaltung als Komplizin des Wandels
Oft wird das Bild gezeichnet, Projektentwickler müssten neue Ideen mühsam gegen die starren Mühlen der Bürokratie durchkämpfen. Der Deilegrund lehrt uns jedoch etwas viel Kraftvolleres: Wir können die öffentliche Verwaltung einladen, Komplizin des Wandels zu werden.
Anstatt Institutionen in eine defensive Haltung zu drängen, geht es darum, Lust auf Gestaltung zu wecken. In Essen erlebte das Team der Sustina AG eine Stadtplanungsverwaltung, die ein tiefes Verständnis für die langfristige soziale Rendite des Projekts mitbringt. Wenn es um die Anpassung der Stellplatzsatzung oder Lobbyarbeit für die Anerkennung kreislauffähiger Materialien in der Beleihungswertrichtlinie geht, wählt Fabian Bergfort keinen konfrontativen Weg. Es geht darum, in Arbeitskreisen und Ministerien gemeinsam Räume auszuloten, in denen Normen nicht nur verwalten, sondern eine höhere Lebensqualität aktiv ermöglichen. Wenn Behörden spüren, dass es um einen echten Mehrwert für die Gesellschaft geht, wandelt sich Skepsis in kooperative Neugier.
Wirtschaft als pflegende Kraft
Das Projekt Deilegrund ist ein lebendiger Beweis dafür, dass regeneratives Wirtschaften heute schon gelingt, wenn wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Es zeigt: Unternehmen können Orte schaffen, die nicht nur Ressourcen verbrauchen, sondern der Gesellschaft Energie, Zusammenhalt und Resilienz zurückgeben.
Wenn wir Wirtschaft als einen lebendigen Metabolismus begreifen, dann sind Projektentwickler wie die Sustina AG nicht nur Planer, sondern Gärtner. Sie bereiten den Humus, auf dem Neues entstehen kann.
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Über Fabian Bergfort
Fabian Bergfort ist Gründer und CEO der Sustina AG.
Mit der Sustina AG entwickelt er Immobilien und Quartiere, die ökologische Integrität, soziale Durchmischung und wirtschaftliche Tragfähigkeit konsequent miteinander verbinden. Sein Fokus liegt darauf, das komplexe regulatorische und steuerliche System der Immobilienwirtschaft nicht als Hürde zu verwalten, sondern als strategisches Gestaltungsmittel zu nutzen – im Dienst einer Bauwende, die gebaute Lebensräume als lebendige, resonanzfähige Ökosysteme begreift.
Immobilienprojektentwicklung, smarte Finanzierungskonzepte, Fördermittelakquise und Business Development sind in diesem Verständnis komplementäre Werkzeuge einer systemischen Perspektive. Sie dienen dem Ziel, den Status quo der Bauwirtschaft zu überwinden und alle Akteure – von Investoren bis hin zur öffentlichen Verwaltung – in eine kooperative, lösungsorientierte Umsetzung zu bringen.
Seine unternehmerische Praxis wurzelt in der frühzeitigen Übernahme familiärer Immobilienverwaltung. Bereits parallel zu seiner juristischen Ausbildung realisierte er als Bauherr eigenverantwortlich ein Neubauprojekt in Oer-Erkenschwick, bei dem er durch 24 öffentlich geförderte Einheiten (von insgesamt 29) frühzeitig den Fokus auf soziale Daseinsvorsorge legte.
Fabian ist Volljurist mit zwei Prädikatsexamina. Sein Rechtsreferendariat absolvierte er unter anderem im Deutschen Bundestag, bei der Staatsanwaltschaft Münster in der Abteilung für Wirtschaftskriminalität sowie bei einem auf Rechtsnachfolgen spezialisierten Fachanwalt.
Über Sebastian Fittko
Sebastian Fittko ist Initiator, Mitgründer und Erster Vorstand der Initiative Regenerative Marktwirtschaft e.V., Gründer von regeneration PARTNERS sowie Zweiter Vorstand des Bundesverbandes Impact Investing e.V.
Mit regeneration PARTNERS begleitet er Unternehmerfamilien, Vermögensinhaber:innen und Organisationen dabei, Kapital als strategisches und unternehmerisches Gestaltungsmittel zu begreifen – im Dienst einer Wirtschaft, die nicht extrahiert, sondern erhält, erneuert und entfaltet.
Sein Fokus liegt auf der Entwicklung von Impact Investing als Praxis der „Kapital-Kompostierung“ – der Überführung von Finanzkapital in lebendige Kapitalformen – und als Hebel für gesellschaftliche Transformation im Sinne einer regenerativen Wirtschaft. Dabei geht es um einen ganzheitlichen Return on Investment, der wirtschaftliche Stabilität und Vermögensaufbau mit ökologischer Integrität, sozialer Widerstandsfähigkeit und kultureller Kontinuität verbindet – eine Perspektive, in der individuelle und kollektive Resilienz zusammenfallen.
Philanthropie, Impact Investing und die Transformation bestehender Unternehmen sind in diesem Verständnis komplementäre Gestaltungswerkzeuge einer systemischen Perspektive: Sie alle dienen dem Ziel, Kapital in Beziehung zu bringen – mit Menschen, Gemeinschaften und Ökosystemen – und es so in Resonanz mit dem Lebendigen zu führen.
Sebastian studierte Wirtschaftswissenschaften (M.A.) an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und ist Gastdozent an der ESCP Business School in Berlin.
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Herzlichst,
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Gregor Erkel, Sebastian Fittko und Thomas Schindler






